|
|
Mitarbeiterorientiertes Call Center
 |
 |
|
Vortrag: Kongress der Deutschen Postgewerkschaft "Neu denken - neu
handeln" 31.1.01 in Berlin, Fachforum Rationalisierte Kommunikation
Regine Rundnagel, Technologieberatungsstelle des DGB Hessen e.V.
|
Einleitung |
Was ist ein mitarbeiterorientiertes Call Center?
Ist es ein Call Center mit sozialen und menschengerechten Arbeitsbedingungen?
Was kann Mitarbeiterorientierung sein und was kann sie bewirken ?
Mit diesen Fragen werde ich mich in meinem Vortrag auseinandersetzen.
Ich möchte aufzeigen, was Mitarbeiterorientierung in einem Call Center
sein kann und in welchen Zusammenhang diese zu gesundheitsgerechten Arbeitsbedingungen
steht.
Ich nehme an, das viele von Ihnen Betriebs- oder Personalräte sind.
Betriebliche Interessenvertretungen setzen in ihren Verhandlungen um Arbeitsgestaltung
Interessen der MitarbeiterInnen durch, also schaffen Sie ein Stück
Mitarbeiterorientierung. Mitbestimmung des BR ist ein Teil von Mitarbeiterorientierung,
es gehört allerdings viel mehr dazu.
|
Mitarbeiterorien- tierung als modernes Managementkonzept |
Mitarbeiterorientierung wird heute als modernes Managementkonzept
verstanden - was versprechen sich Manager davon?
Ein enger Zusammenhang wird zwischen einerseits Mitarbeiterorientierung
und anderseits Kundenorientierung und Qualitätsentwicklung hergestellt.
Man verspricht sich von Mitarbeiterorientierung eine steigende Arbeitszufriedenheit,
mehr Kreativität und Innovationskraft, mehr Qualität und vor
allem mehr Motivation. Letztendlich sollen diese Effekte die Produktivität
steigern.

Mitarbeiterorientierung ist ein Konzept, das unterschiedlich ausgestaltet
wird, je nach Interessenslage. Die Folie zeigt unterschiedlichste Aspekte
von Mitarbeiterorientierung: Manche verstehen darunter Mitarbeitergespräche,
andere Teamarbeit, wieder andere die Mitbestimmung des Betriebsrats, und
es gibt Betriebe, in denen Mitarbeiter/innen an Entscheidungen beteiligt
werden.
In der Realität vieler Betriebe reduziert sich allerdings die propagierte
Mitarbeiterorientierung auf Mitarbeitergespräche und Qualitätszirkel.
Das halte ich nicht für ausreichend, um die erwarteten Wirkungen
- nämlich zufriedene und motivierte Mitarbeiter - nachhaltig zu erreichen.
|
umfassendes Verständnis von Mitarbeiterorien- tierung nötig |
Es ist vielmehr ein umfassendes Verständnis von Mitarbeiterorientierung
nötig.
Wie weit dabei aus Unternehmenssicht die Entwicklung von Mitarbeiterorientierung
zugelassen werden kann und unter welchen betrieblichen Bedingungen sie
wie gestaltet werden kann, ist grundsätzlich offen.
Mitarbeiterorientierung umfassend verstanden, und nicht nur als Makulatur,
erfordert erhebliche Veränderungen in einem Unternehmen.

Ich verstehe unter Mitarbeiterorientierung ein Management, das die Mitarbeiter
- direkt und systematisch geplant - an für sie relevante Entwicklungen
und Entscheidungen und in für sie wichtigen Gestaltungsfeldern beteiligt.
Das nenne ich Partizipation.
Den Rahmen dazu geben die Mitbestimmungsrechte der Interessenvertretung.
Partizipation kann sich auf unterschiedliche Felder beziehen:
auf Gestaltung von
Arbeitsmitteln: Hard- und Software, Kontrolleinrichtungen
Arbeitsumgebung: Lärmschutz
Arbeitsinhalt: die Entwicklung von Schnittstellen zu Fachabteilungen
Arbeitsorganisation: Arbeitszeit, Personaleinsatz, Qualitätskriterien,
Qualifikation: Weiterbildungsangebote
Arbeitsverhalten: Pausenregelung
Partizipation kann unterschiedliches Ausmaß haben:
Zirkel und Workshops zur Mitarbeit, gemeinsame Zielfindung im Team oder
einfach nur Information innerhalb eines gegebenen Handlungsfeldes.

Diese Folie zeigt das in einem Stufenmodell. Das Modell bietet gute Voraussetzungen,
den Grad der Partizipation in einer Abteilung festzustellen.
Die unterste Stufe ist dabei keinerlei Partizipation. Mitarbeiter erhalten
nach Entscheidungen Informationen.
Die oberste Stufe ist die autonome Entscheidung von Mitarbeitern.

|
Beispiel |
Ich möchte an einem Beispiel klarer machen, was Partizipation
sein kann und wie sich die Schnittstelle Mitbestimmung des Betriebsrats
gestalten lässt:

Das Beispiel ist die Arbeitszeit in einem Call Center. Die Besetzungszeit
soll auf 7.00 bis 20.00 Uhr erweitert werden. Eine Kundenbedarfsanalyse
ist Hintergrund des Wunsches der Call Center Leitung. Die Besetzung in
den Tagesrandzeiten kann aufgrund der erwarteten geringeren Gesprächszahlen
niedrig gehalten werden.
Erster Schritt:
Der Betriebsrat regelt die Grundsätze der Arbeitszeit in einer Betriebsvereinbarung.
Dabei hat er das Ziele humane Arbeitszeiten und ebenso Partizipation der
Betroffenen an der individuellen Arbeitszeitgestaltung zu sichern. Es
wird ein Rahmenmodell geschaffen: Besetzungszeiten, Pausen, Schichtlagen,
Höchstanzahl der Arbeitszeiten in Randlagen, Verfahren der Festlegung
der Mindestbesetzung und Servicequalität, Rechte der Beschäftigte
auf Selbststeuerung, Recht auf Teambesprechungszeiten, Vergütung
der Arbeitseinsatzes in Randzeiten usw.
Während der Verhandlung wird mit den Betroffenen rückgekoppelt.
Zweiter Schritt nach Abschluss der Betriebsvereinbarung:
Die Grundsätze von Arbeitszeiten, Pausen und Schichten sind nun
durch die BV vorgegeben. Die Call Center Leitung gibt auf dieser Grundlage
und der Schätzung des Gesprächsaufkommens eine bestimmte Mindestpersonalstärke
der Randzeiten vor.
Die Call Center Leitung setzt sich aktiv für Partizipation ein.
Beschäftigte werden ausführlich informiert, Teambesprechungszeiten
in die Arbeitszeit- und Kapazitätsplanung eingebaut..
Dritter Schritt:
Partizipation besteht nun für die Gruppe der Beschäftigten
in Form von erweiterten Handlungsspielräumen. Sie stimmen untereinander
ab - je nach individuellen Interessen. Die Anforderungen aus Gesetz und
BV sind bekannt.
Ein EDV-Programm ist unterstützend nutzbar. Eventuelle Konflikte
müssen dabei selbständig gelöst werden.
In einem Qualitätszirkel mit Betroffenen und Leitung werden die
Erfahrungen ausgewertet und nach Bedarf gemeinsam nachgesteuert.
Das Beispiel ist allerdings nur in kleinen Gruppen realisierbar.
|
| |
Partizipation muss als Prozess verstanden. Es müssen unterschiedliche
Interessen:
 |
der Kunden |
 |
der Call Center Leitung und |
 |
verschiedener Beschäftigtengruppen |
zusammengefügt werden. Es gibt die Interessen von Müttern die
vorgegebenen Kindergartenzeiten handhaben müssen oder auch Interessen
von "Jung-Dynamischen", die am liebsten eine 4 Tage Woche á
12 Stunden hätten.
Neben diesen Spannungsfelder besteht ebenso ein Spannungsfeld zwischen
Mitarbeiterorientierung zu den Beteiligungsrechten und eingeübten
Formen von Interessenvertretung.
Der Betriebsrat muss von seinem - ja nicht unberechtigtem Interesse "alles
unter Kontrolle zu haben, um die Beschäftigten zu schützen"
ein Stück abrücken.
Er kann andererseits gezielt die Entwicklung von Partizipation vorantreiben.
 |
Voraussetzungen für Partizipation |
Was sind die Voraussetzungen für Partizipation?
Partizipation der Mitarbeiter muss von oben, von der Unternehmensleitung
gewollt sein und muss gleichzeitig von unten wachsen.
Die Voraussetzungen dafür sind in der Folie 4 stichwortartig angedeutet.
1. Wissen und Kompetenzen der Mitarbeiter/innen (das "wissen
und können") :
 |
Informationen über Arbeitszeiten und Pausen, über gesetzliche
Regelungen und gesundheitliche Aspekte |
 |
Kompetenzen zur Teilnahme an Entscheidungsprozessen, Moderation von
Teambesprechungen, Konfliktlösung in Gruppen etc. |
2. Motivation der Betroffenen (das wollen)
Interesse an Mitgestaltung, Mut mitzusprechen, keine Angst vor Konflikten
3. Organisatorische Bedingungen (das dürfen)
Rollenverständnis und Kompetenzen der Führungskräfte
müssen das passen, die Unternehmenskultur muss Vertrauen schaffen,
Zeit für Teambesprechungen muss vorhanden sein.
Diese Voraussetzungen für Partizipation lassen sich in Aus- und
Weiterbildung sowie im täglichen Anwenden erreichen, in eine Prozess
in dem Mitarbeiter/innen und Führungskräfte wachsen. Und dies
gilt auch für die Interessenvertretungen.
Ich habe aufgezeigt, was Mitarbeiterorientierung aus meiner Sicht sein
kann und was sie voraussetzt. Nun möchte aufzeigen, welche Wirkung
Partizipation auf Gesundheit hat.
Partizipation der Mitarbeiter fördert die Arbeitszufriedenheit.
Zufriedenheit mit der Arbeit nutzt den Beschäftigten, sie fühlen
sich wohler. Sie nutzt selbstverständlich auch Unternehmensleitungen,
denn zufriedene Mitarbeiter sind motivierter.

Die Folie zeigt beispielhaft Belastungen in einem Call Center .Bildschirmarbeit,
Viel-sprechen über einen 8 Stunden-Tag, kurze Gespräche, deren
Zuteilung über die Technik gesteuert wird, eine hohe Anzahl von Gesprächen,
häufige Konflikte mit Kunden, und Einzelarbeit - jeder sitzt abgeschottet
durch lärmdämmende Wände und arbeitet isoliert.
Ein Prozess zur Entwicklung von Partizipation wird begonnen. Es werden
Teams gebildet und regelmäßige Besprechungen durchgeführt.
Pausen und spontane Arbeitszeitwünsche werden im Team gesteuert.
In einem Qualitätszirkel arbeiten Agenten und Leitung an der Veränderung
der Techniksteuerung. Die Beschäftigten erhalten eine Weiterbildung
zum Umgang mit Kundenkonflikten. Auch eine Gruppensupervision, Fallbesprechungen
sind dabei denkbar. Monatlich gibt es eine Informationsrunde mit der obersten
Führungskraft, die Servicekennzahlen des Call Centers werden hier
bekanntgegeben. Und der Betriebsrat steht in der Teambesprechungsecke
zu bestimmten Zeiten zum Gespräch zur Verfügung.
Dies hat Wirkungen. Aktive Partizipation bewirkt
 |
mehr Information, Wissen und mehr Transparenz - über Unternehmensziele,
Arbeitsabläufe, über Kunden, |
 |
sie bewirkt mehr Kontakte zu Kollegen/innen und Leitung. Das Betriebsklima
bessert sich. Die soziale Unterstützung steigt. Aus formellen
werden informelle Kontakt zu Kollegen. Ärger mit Kunden lässt
sich besser verarbeiten, wenn darüber gesprochen werden kann
und darf. Tipps von anderen können die Arbeit erleichtern. |
 |
Die Entwicklung neuer Fähigkeiten ist möglich- soziale
Kompetenzen bei Teamarbeit und im Umgang mit Kunden. Auch die Führungskräfte
lernen. |
 |
Das Interesse an der Arbeit wächst, und die Motivation zur
Gestaltung der eigenen Arbeitsbedingungen. |
 |
Der Handlungsspielraum nimmt zu, wenn über Pausen selbst entschieden
werden kann und die Agenten/innen nicht mehr allein durch Technik
"gesteuert" werden. |
 |
Das Selbstwertgefühl wächst. Das ist wichtig für
Call Center Beschäftigte, denn ihre enorme Leistung, täglich
8 Stunden mit lächelnder Stimme kompetent Auskunft zu geben,
wird häufig von Außenstehenden unterschätzt. |
Allgemein gesprochen:
Es gehört zu den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen,
das gesundheitliche Beanspruchungen besser zu bewältigen sind, wenn
ausreichend Mittel zur Bewältigung zur Verfügung stehen. Dazu
gehören in erster Linie Handlungsspielraum und soziale Unterstützung
als Merkmale guter Arbeitsbedingungen sowie Qualifikation und soziale
Kompetenz als persönliche Fähigkeiten.
Studien zeigen, dass gesundheitliche Beschwerden von Personen mit ungünstigem
Belastungsprofil - wie hohe Anforderungen bei geringem Entscheidungsspielraum
- seltener geäußert werden, wenn sie ein hohes Ausmaß
sozialer Unterstützung angeben. Soziale Unterstützung in Form
von Kollegialität und Anerkennung wirkt bei sehr ungünstigen
Arbeitsbelastungen als eine Art Puffer. Handlungsspielraum ermöglicht
es hier, Pausen einzulegen, schwierige Aufträge in ruhigere Zeiten
zu schieben, das Ausmaß der persönlichen Beanspruchung nicht
zu hoch werden zu lassen.
Dieser Zusammenhang gilt allgemein und ist wichtig für Call Center
Arbeit.
Arbeitsbedingungen in Call Center sind sehr unterschiedlich. Es gibt
Call Center in der Bestellannahme mit kurzen und einfachen Gesprächen,
vorgegeben Gesprächsskript und hoher Technikabhängigkeit im
24-Stunden Betrieb. Es gibt Call Center mit qualifizierten und gut dotierten
Wertpapierverkäufern oder Call Centern die Tätigkeitsmischungen
von Auskunft bis hin zum Verkauf haben, je nach Auslastung.
Die Belastungen sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Wirkungen.
Eine repräsentative und gesicherte Aussage über alle Call Center
hinweg lässt sich derzeit nicht machen. Andererseits gibt es Hinweise.
Eine Call Center Studie zeigt auf, dass Call Center mit eintöniger
Arbeitsinhalten, kurzen Zeittakten, minimalem Handlungsspielraum eine
deutlich höhere Fluktuation und ein höheres Niveau psychosomatischer
Beschwerden aufweisen als z.B. Sachbearbeitertätigkeiten. Dabei wird
darauf hingewiesen, dass es wahrscheinlich gar nicht der Arbeitsinhalt
ist - kurze Gespräche, einfache Gesprächsinhalte -, der das
hohes Niveau von Gesundheitsbeschwerden auslöst. Vielmehr sind es
Bedingungen wie Zeitdruck, Ablaufprobleme, Unsicherheit, fehlende Zeitspielräume.
Die Stichworte fehlender Handlungsspielraum und mangelnde soziale Unterstützung
tauchen hier auf. Solche Arbeitsbedingungen sind kein Muss für den
Betrieb eines Call Centers. Gestaltungsmöglichkeiten sind gegeben.
 |
meine These |
Deshalb ist meine These:
Die Partizipation von Mitarbeiter/innen an der Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen
erweitert Handlungsspielräume und fördert soziale Unterstützung
und die persönlichen Kompetenzen. Damit stehen mehr Mittel zur Bewältigung
der Arbeitsbelastungen zur Verfügung. Stress entsteht in geringerem
Ausmaß. Arbeitszufriedenheit steigt und Gesundheitsbeschwerden gehen
zurück.
Partizipation ist deshalb ein wichtiger Schritt, um Verbesserungen der
Arbeitsbedingungen mit nachhaltiger Wirkung zu erreichen. Schließlich
sind hohe Fluktuationen und Krankentage kostspielig.
Schritte zur Partizipation in einem Call Center sind realisierbar.
Zwei weitere Beispiele sollen dies zeigen und ermutigen.
Gestaltungsfeld Technik und ACD-Anlage - Gesprächsverteilung
Die Technik erlaubt es, Überschreitungen Gesprächszeitvorgaben,
Warteschlangen etc. anzuzeigen - jeweils für Führungskräfte
oder auch für Agenten, sowie Nachbereitungszeiten fest einzustellen.
Danach wird der nächste Anruf aufgeschaltet. Partizipation in Form
von erweitertem Handlungsspielraum heißt in diesem Fall, dass die
Agenten zwar durch die Technik Hinweise bekommen -zu Warteschlangen, dass
aber sie selbst per Tastendruck entscheiden, wann sie wieder für
ein Gespräch bereit sind.
Diese Regelung ist bereits in vielen Betriebsvereinbarungen verwirklicht.
Ein weiteres Beispiel: Gestaltungsfeld Aus- und Weiterbildung
Eine Autoversicherung hat ein Mentormodell entwickelt. Bereits relativ
frühzeitig beginnt während der Ausbildung der Praxiseinsatz
der "Neuen". Sie sind einem Mentor/in zugeordnet. Dies gibt
Sicherheit, soziale Kontakte und Unterstützung beim Lernen. In kleinem
Rahmen kann Trainingsbedarf festgehalten werden und vom "Neuen"
in die Ausbildung eingebracht werden. Die Agenten arbeiten in Teams, die
wiederum ihren Weiterbildungsbedarf selbstständig formulieren können.
Auch können Supervisoren angefordert werden. Monitoring, d.h. das
Mithören von Gesprächen kann nur vom Agenten "freigeschaltet"
werden. Dazu stehen ausschließlich Weiterbildungsfachkräfte
oder erfahrene Kollegen zur Verfügung. Eine Gesprächsaufzeichnung
findet nicht statt, die Auswertung wird gemeinsam besprochen.
|
das Betriebsratshandeln |
Zum Schluss ein Blick auf das Betriebsratshandeln
Mitarbeiterorientierung im Call Center bedeutet nicht automatisch, das
humane Arbeitsbedingungen herrschen. Mitarbeiterorientierung in Form von
Partizipation gibt allerdings die größten Chancen, Arbeitsbedingungen
menschengerecht und sozial verträglich zu gestalten, und das langfristig
und auch bei laufenden Änderungen von Technik und Organisation.
Partizipation ermöglicht es Interessen einzubringen. Sie müssen
ausgehandelt werden.
Hier genau befindet sich die Schnittstelle zum Betriebsratshandeln. Seine
Aufgabe ist es, dass bei der Gestaltung der Call Center Arbeit Gesetze
eingehalten werden und gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse
umgesetzt werden. Zum Beispiel dürfen sich die Kontrollpotentiale
der Call Center Technik nicht gegen die Persönlichkeitsrechte der
Beschäftigten wenden. Andererseits benötigen die Agenten Informationen,
damit sie selbstständig handeln können. Und die Call Center
Leitung benötigt Informationen, um ihre Qualitätsziele zu sichern.
Die Rolle des Betriebsrat wird nicht einfacher, wenn er Partizipation
der Betroffenen erweitern will. Er schafft den Rahmen, für dessen
konkrete und jeweils angepaßte Ausgestaltung die Beschäftigten
mitsorgen.
Ein Betriebsrat kann Partizipation der Mitarbeiter nicht erzwingen. Impulse
für eine Entwicklung in diese Richtung kann er einbringen. Über
die Bedeutung von Partizipation für Zufriedenheit und Gesundheit
sollte er sich im Klaren sein. Hierfür gibt es in jedem Call Centern
Gestaltungsspielräume.
|
| |
|
Quellen:
|
M. Ertel, G. Junghans, E. Pech, G. Ullsperger: Auswirkungen der Bildschirmarbeit
auf Gesundheit und Wohlbefinden, hg. von BAuA 1997
A. Isic, Chr. Dormann, D. Zapf: Belastungen und Ressourcen an Call Center
Arbeitsplätzen, in Zeitschrift für Arbeitswissenschaft 3/1999
K. Scherrer, R. Wieland: Belastung und Beanspruchung bei der Arbeit im
Call Center: Erste Ergebnisse einer Interviews Studie und arbeitspsychologischen
Belastungsanalyse, in Gesundheit und Sicherheit in neuen Arbeits- und
Organisationsformen, hg. von M. Kastner, Maori-Verlag 1999

|
|
|
|
 |