Toyota-Prinzip: Chancen intelligent nutzen

Der Nutzfahrzeughersteller MAN führt seit 2004 ein Produktionssystem nach dem Vorbild des japanischen Marktführers Toyota ein. Ziel des Gesamtbetriebsrats ist es, Beschäftigung, Entgelt und Gesundheit am Arbeitsplatz zu sichern.

Das MAN Nutzfahrzeuge-Produktionssystem, kurz MNPS, konzentriert die Wertschöpfung auf den Kundenbedarf. Statt ständig große Mengen zu produzieren, soll die Fertigung schnell und präzise auf Kundenwünsche reagieren. Das beinhaltet kleine Lose, geringe Bestände und Zulieferung nach dem „Zug-Prinzip“ („Kanban“, die letzte Station bestimmt Tempo und Arbeitsrhythmus der vorhergehenden). Die Schnittstellen zwischen wertschöpfender Arbeit und den Unterstützungssystemen wie zum Beispiel Logistik, Instandhaltung, Werksplanung und Produktdesign wie auch das Zusammenspiel entlang der Prozesskette werden effektiviert. Das erfordert mitdenkende MitarbeiterInnen nach dem Motto „Nicht härter, sondern intelligenter arbeiten“. Deswegen werden die Arbeitsplätze ergonomisch gestaltet und die MitarbeiterInnen an der Gestaltung von Arbeitsplätzen und Prozessen beteiligt.

Der Gesamtbetriebsrat (GBR) der MAN schloss zu Beginn eine projektbegleitende Gesamtbetriebsvereinbarung ab. Darin sind die Rahmenbedingungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Entgelt sowie die Informations- und Beteiligungsrechte des GBR und der Werks-Betriebsräte festgelegt. Arbeitsgestaltung und Qualifikation der Beschäftigten wurden ebenfalls geregelt. Außerdem wurde vereinbart, dass die Berater Berthold Goergens von der TBS Hessen und Dr. Norbert Klöcker das Projekt für den Betriebsrat in München und Nürnberg begleiten.

Ziele des Betriebsrats sind die Sicherung der Beschäftigung am Standort, die intelligente Sicherung der Entgelte und der Gesundheit. Dabei kam zu Hilfe, dass der Lkw-Markt boomt und MAN seinen Marktanteil ausbauen konnte. So gingen Produktivitätssteigerungen nicht zu Lasten der Beschäftigten, sondern füllten die Kassen des Konzerns. In Nürnberg konnte so die Zahnradfertigung gesichert werden.

Aufgabe des Beraters ist es, den Beteiligungsprozess für den Betriebsrat zu organisieren. Die grundsätzlichen Konflikte sind in der Rahmenvereinbarung ausgeräumt worden. Jetzt geht es um die vielen Auseinandersetzungen im Prozess. „Die andere Seite kennt nur top-down-Prozesse. Der Betriebsrat steht für demokratische Beteiligung“, erläutert Goergens.

Das MNPS ist ein Erfolgsbeispiel im boomenden Markt. Das Management ist in dieser Situation auf Belegschaft und Betriebsräte angewiesen und kompromissbereit. Hier zeigt sich auch, dass wirtschaftlicher Erfolg mit einem IG Metall-Tarifvertrag möglich ist. Doch dazu muss der Betriebsrat zielgerichtet und qualifiziert alle Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechte nutzen. Er muss zusätzliche Projektressourcen erhalten, etwa zusätzliche Freistellungen, Sachverständige und BeraterInnen.

 

Qualitative Kriterien für Leistungsentgelt

Die Wertigkeit des normalen Werkers steigt

Führungskultur muss sich ändern

Aufschwung in einem vernachlässigten Bereich

 

 


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von Hessen gefördert von der EU gefördert