E-Commerce

Ständig am Schreibtisch und immer im Außendienst: Was E-Commerce-Kollegen alles gleichzeitig machen.

Die erste Internet-Begeisterung klingt ab. Inzwischen steht fest, dass etablierte Großkonzerne in ihrer wirtschaftlichen Bedeutung nicht von neuen Internetfirmen verdrängt werden. Aber auch die mächtigsten multinationalen Unternehmen werden sich künftig wegen der neuen Techniken völlig umstrukturieren. Die "New Economy" ersetzt die "Old Economy" nicht sie krempelt sie um.

Weltweites Marketing und Bestellung
übers Internetportal -
Leistungsverdichtung und mehr Güterverkehr sind die Folge.
   

Dafür steht beispielsweise das Schlagwort "E-Commerce" (elektronischer Handel). Der Kontakt zu den Kunden wird künftig über Computer und Telefonleitung organisiert. Das hat auch weitreichende Konsequenzen innerhalb der Unternehmen. Was das zum Beispiel im Großanlagenbau bedeuten kann, hat Rainer Burkert von der TBS Hessen zusammen mit IG-Metall-Kollegen untersucht. Der Geschäftsverkehr per Internet und Computer schafft neue Möglichkeiten. Sie betreffen Marketing und Verkauf ebenso wie Vertrieb und Kundendienst. Bestellung und Auftragsbestätigung lassen sich per Mausklick erledigen. Kataloge und Produktangebote können blitzschnell hin- und hergeschickt werden. Details der technischen Planung oder der Finanzierung werden per Zugriff auf die gemeinsame Datenbasis im Internet ausgehandelt. Daraus folgt, dass sich der Arbeitsalltag in den entsprechenden Abteilungen eines Anlagenbauers ändert: Der Kontakt mit den Kunden reißt nicht mehr ab. Viele Mitarbeiter sind sozusagen ständig im Außendienst, selbst wenn sie eigentlich nur noch am eigenen Schreibtisch in den Bildschirm starren. Eventuelle Fehler gehen selbstverständlich sofort an das andere Unternehmen raus.

Innerbetriebliche Automatisierung

Auch innerbetrieblich gibt es Veränderungen. Einfache Bestellungen können automatisiert werden - etwa über Enterprise-Ressource- Planing Programme von SAP oder BAAN. Die Kollegen, die bisher solche Routineaufgaben erledigten, haben dann in Zukunft nur noch mit den schwierigen Vorgängen persönlich zu tun. Den Rest erledigt ein "Workflow"-System. So heißen Programme, die Standardvorgänge im Unternehmen steuern. Sie können auch über Unternehmens- akzeptiert, kann enge Zugrenzen hinweg aufgebaut werden, um Anwender direkt mit Zulieferern zu verbinden.

Herausforderung für Betriebsräte

Für Arbeitnehmervertreter ist dabei besonders brisant, dass solche "Workflow" und "E-Commerce"-Projekte häufig nicht ausführlich mit großem Papieraufwand geplant werden. Typischerweise wird nach dem Prinzip Versuch und Irrtum gearbeitet. Innovationen werden dabei sehr schnell umgesetzt. "Konventionelle Interessenvertretung wird dadurch sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich", sagt TBS-Experte Rainer Burkert

Zusammenarbeit mit dem Management

Weil die neue Technik aber weitreichende Folgen haben wird, ist solide Betriebsrats Burkerts Einschätzung kommt es dabei auch auf die jeweilige Kultur in einem bestimmten Unternehmen an. Wenn das Management die Betriebsräte grundsätzlich akzeptiert, kann enge Zusammenarbeit sinnvoll sein. Dadurch wird es möglich, schon frühzeitig auf neue Entwicklungen Einfluss zu nehmen. Andererseits besteht ein gewisses Risiko, dass die Geschäftsführung versucht, die Arbeitnehmervertreter für die Durchsetzung ihrer Pläne zu instrumentalisieren. Grundsätzlich scheint es deshalb sinnvoll, Betriebsvereinbarungen abzuschließen, die regeln, wie die Arbeitnehmervertretung in die Projektplanung einbezogen wird. Die Geschäftsprozesse können sehr unterschiedlich gestaltet werden. Aus Beschäftigtensicht kommt es dabei darauf an, die Arbeitsteilung nicht zu weit zu treiben. Wenn Arbeitsschritte zu sehr zerstückelt werden, verlieren die Kollegen den Überblick. Die Wahrscheinlichkeit von Flüchtigkeitsfehlern nimmt zu. Selbstbewusstsein und Motivation werden unterhöhlt, die Identifikation mit Betrieb und Kollegen leidet

Rationalisierungsdruck

In der ersten Phase werden vermutlich kaum Arbeitsplätze verloren gehen. Mittelfristig zeichnet sich aber ab, dass die Arbeit immer anspruchsvoller wird und einfache Tätigkeiten wegrationalisiert werden. Burkert rät Betriebsräten auch zu bedenken, dass die neuen Techniken die Managementtendenz dazu verstärken dürften, bestimmte Aufgaben an Fremdfirmen zu vergeben. Schließlich wird es immer leichter, freie Mitarbeiter in die Organisation einzubinden. Arbeitnehmervertreter sollten darauf achten, dass Jobs im Unternehmen bleiben und möglichst wenig Aufträge an Aufträge an externe Büros herausgehen.

Kontrollmöglichkeiten

Internet und E-Mail geben dem Management zusätzliche Möglichkeiten, die Beschäftigten zu überwachen. Zum einen können Workflow- und Projektmanagementprogramme zur Leistungskontrolle eingesetzt werden. Zum zweiten gibt es Internetprotokolle, die dokumentieren, was im Netz gemacht wurde. "Auch zu diesem Themenkreis ist eine Betriebsvereinbarung sinnvoll", sagt Rainer Burkert. Das schließt das Thema Datenschutz mit ein. Bisher gibt es kaum einschlägige Gerichtsurteile. Es lohnt sich also, auf betrieblicher Ebene diese Fragen vorbeugend zu klären.

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