Über den Tisch gezogen?

Beim Druckmaschinenhersteller MAN Roland in Mainhausen gelang es dem Betriebsrat 1996 mit Hilfe der TBS, die Blechschlosserei zu erhalten. Fünf Jahre später zieht Betriebsratsvorsitzender Winfried Rosenberger Bilanz

Was hat der Einsatz des Betriebsrats gebracht?

Wir haben 94 Arbeitsplätze erhalten.
Einige Leute können heute noch mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen und müssen nicht nach Frankfurt fahren.

Wieso wollte das Unternehmen die Blechfertigung schließen?

Ein Unternehmensberater ermittelte Preise von 27 Prozent über dem Marktniveau. Die Personalkosten müssten um 35 Prozent und die Sachkosten um zwölf Prozent gesenkt werden.
Aufbauend auf diesen Zahlen tischte uns die Geschäftsleitung einen Forderungskatalog auf mit dem Ziel zu beweisen, dass die Blechfertigung nicht zu halten sei.


Winfried Rosenberger,
Vorsitzender des Betriebsrats
bei MAN Roland in Mainhausen.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir wurden in Workshops und Arbeitsgruppen des Unternehmensberaters eingebunden und fühlten uns häufig über den Tisch gezogen.
Wir brauchten externe Unterstützung und wandten uns an die TBS Hessen. Klar war, dass wir nicht alle Arbeitsplätze und den Stundenlohn würden halten können.

Welche Aufgabe hatte die TBS?

Was uns der Unternehmensberater auftischte, besprachen wir mit dem TBS-Berater und entwickelten mit ihm Alternativen.
Die hielt der Unternehmensberater zwar häufig für undurchführbar. Dennoch haben wir durchgesetzt, dass in die Edelstahlfertigung investiert wurde. Heute zeigt sich, dass unser Vorschlag genau der richtige war.

Um welche Themen ging es in den Workshops?

Es ging um indirekten Tätigkeiten, unproduktive Abwesenheitszeiten, Auftrags- und Materialfluss, Technologien - die gesamte Ablauforganisation.
Da erwies es sich als günstig, dass uns die TBS bereits zwei Jahre zuvor bei der Einführung eines Produktionsplanungssystems beraten hatte. Mit den Verbesserungsideen der Beschäftigten wurden die Rationalisierungsziele noch übertroffen.

Die Entlohnung war dennoch ein heftiger Streitpunkt. Warum?

Der Arbeitgeber wollte ein tarifwidriges System durchsetzen.
Das gelang zunächst auch mit der Stimme des neutralen Vorsitzenden in der Einigungsstelle.
Wir drohten damit, die Entscheidung anzufechten.
Mit Hilfe des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden, eines IG Metallers, haben wir die Geschäftsleitung zum Kompromiss bewegt.

Wie sieht der aus?

Wir hatten eine Beschäftigungsgarantie bis Ende September 1999. 50 Arbeitsplätze wurden sozial verträglich abgebaut.
Der Lohn wurde um bis zu fünf Prozent gekürzt, aber nur, wenn er nicht unter das Tarifniveau sank.

Das klingt recht erfolgreich. Wo lag das Problem?

Kaum ein Betriebsratsmitglied hatte die Zeit und traute sich zu, sich in die komplizierte Materie einzuarbeiten. Heute bin ich einziger Freigestellter und würde so etwas allein gar nicht packen. Und für die anderen ist es schwierig, das zusätzlich zu ihrer Arbeit zu bewältigen.

Wie wäre das Problem zu lösen

Der Reformentwurf für die Betriebsverfassung ermöglicht, eine volle Freistellung aufzuteilen.
Da kann man sich besser spezialisieren - einer für die Arbeitssicherheit, einer für die Entlohnung. Aber es sollte nicht nur volle Freistellungen geben. Warum nicht eine halbe Freistellung ab hundert Beschäftigten, ab 350 eineinhalb Freistellungen.

 

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