Mitbestimmung, der verkannte Standortfaktor Betriebsräte tun dem Standort Deutschland gut. Das bestätigen mehrere Untersuchungen in den vergangenen Jahren.
Fragt man die Bevölkerung, so steht die Mitbestimmung ohnehin nicht zur Disposition. In einer Emnid-Umfrage sagten 86 Prozent, Mitbestimmung sei notwendig. 82 Prozent waren dagegen, die Mitbestimmung einzuschränken. Auch der Mittelstand hat - anders als seine Verbandsvertreter - mit dem deutschen Mitbestimmungsmodell keine Probleme. Nur vier Prozent sagten in einer Umfrage im Auftrag des Manager-Magazins aus dem Jahr 2004, Mitbestimmung verhindere notwendige Entlassungen. Zehn Prozent klagten über Gewerkschafter die "von außen" in den Betrieb hinein regierten. Ein Sechstel der Unternehmen hält den Flächentarifvertrag für hinderlich. Ein Viertel möchte den Kündigungsschutz lockern.
Laut einer Studie des Wissenschaftszentrums Berlin aus dem Jahr 2003 haben nach Meinung der deutschen Töchter ausländischer Unternehmen Betriebsrat und mitbestimmter Aufsichtsrat keinen negativen Einfluss auf den Standort Deutschland.
Selbst die Unternehmensberatung Roland Berger konstatierte in der Studie "Restrukturierung in Deutschland" aus dem Jahr 2003, dass Unternehmen, die sich mit dem Betriebsrat abstimmen, weniger krisenanfällig sind und auftretende Krisen besser und schneller bewältigen als andere.
Nicht zuletzt sorgt Mitbestimmung für Betriebsfrieden. Nur vier Streiktage werden in Deutschland jedes Jahr pro tausend Beschäftigte gezählt. Im EU-Durchschnitt sind es 47. In Ländern, die in der öffentlichen Debatte gern als Vorbilder dargestellt werden, legen die Beschäftigten erheblich häufiger die Arbeit nieder. An 32 Tagen in Großbritannien, an 51 Tagen in Dänemark und an 56 Tagen in Irland. Einsame Spitze mir 276 Tagen ist übrigens Spanien.
Quelle: Böckler Impuls 11/2005

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