Intelligente Lösungen für die Zukunft

Die Diskussion um die betriebliche wie auch die Unternehmens-Mitbestimmung ist neu entflammt. Doch das politische Gezänk um Abschaffung oder Reform ignoriert die Praxis in den Betrieben völlig. Diese benötigen intelligente Lösungen im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem, technologischem und organisatorischem Wandel. In Kooperation mit ihrer Gewerkschaft und der TBS können Betriebsräte sich erfolgreich für Innovation und Beschäftigung einsetzen.

In den Aufbaujahren der "Deutschland AG" wurde ein konsensorientiertes Modell von Mitbestimmung entwickelt, das eng mit dem Leitbild der sozialen Marktwirtschaft und dem Begriff des Rheinischen Kapitalismus verknüpft ist. Zu letzterem gehört nicht nur der Firmenpatriarch, der für das Wohlergehen seiner Leute Verantwortung übernimmt, sondern auch die Kooperation mit dem Betriebsrat. Dabei war betriebliche Mitbestimmung noch nie eine Schönwetter-Veranstaltung. Vor allem in Krisensituationen ringen die Betriebsparteien hart um einen Interessenausgleich.

Seit der neoliberalen Kehrtwende bestimmen hingegen die Drohung mit Verlagerungen in Niedriglöhnländer, kurzfristiges Rendite-Denken und ideenloses Sparen das Bild. Shareholder Value heißt das Gegenstück zum Rheinischen Kapitalismus, die ausschließliche Orientierung an den Interessen der Aktionäre und das Diktat der Börsenkurse. Das deutsche Modell der Mitbestimmung steht da im Weg.

Zu dieser Entwicklung passen die Klischees, die manche Medien von Betriebsräten zeichnen. Noch vor wenigen Jahren wurden sie als Krisenmanager gefeiert, so bei Holzmann und bei Opel. Dann als von Gewerkschaften ferngesteuerte Strippenzieher diffamiert, etwa beim Metaller-Streik in Ostdeutschland. Inzwischen scheinen hauptsächlich korrupte Lebemänner am Werk, die den geldgierigen Managern in nichts nachstehen und daher ihre Einkünfte und Nebentätigkeiten offen legen sollen.

Die alltäglichen Erfahrungen der Betriebsräte, die ein demokratisch legitimiertes Ehrenamt ausüben, unterscheiden sich von diesen Klischees erheblich. Mit welcher Vielfalt von Problemen sie konfrontiert sind, zeigen die Beratungserfahrungen der TBS Hessen und die Betriebsrätebefragungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Ganz oben stehen der betriebliche Strukturwandel, die soziale Bewältigung von Personalabbau und die Sicherung von Beschäftigung.

Viele Unternehmen wissen die Kooperation mit ihrem Betriebsrat auch heute noch zu schätzen. Doch die öffentliche Debatte ignoriert den Wert von Kooperation und Interessenausgleich. Und so mancher Arbeitgeber versucht, durch Einschüchterung die Gründung eines Betriebsrats zu verhindern. Von den persönlichen Nachteilen vieler InteressenvertreterInnen wissen Gewerkschaftssekretäre zu berichten. Nachlesen lässt sich das auch in Arbeitsgerichtsakten.

"Vertrauen ist gut, Betriebsrat ist besser" so lautet denn auch das Motto des DGB für die kommende allgemeine Betriebsratswahl im Frühjahr 2006.

Den Wert von Betriebsräten für die Unternehmen zeigen verschiedene Untersuchungen. Mitbestimmung sorgt für Betriebsfrieden und ist ein eher positiver Standortfaktor. Denn Betriebsräte tragen Unternehmensstrategien mit. Kooperation verbessert die Managementkompetenz und Qualität der Humanressourcen, also Qualifikation, Motivation und Flexibilität der MitarbeiterInnen. "Betriebsräte sind wichtige Träger von Kompetenz und Informationen im Betrieb", sagt der stellvertretende Leiter von ver.di Hessen, Hans Kroha. Das gilt umso mehr, als Strukturen und Abläufe in der Organisation, Verwaltung und Produktion immer komplexer werden. Kroha plädiert für stärkere Mitbestimmungsrechte bereits bei Investitionsentscheidungen und im Planungsstadium.

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