Betriebsrats-Mobbing ist kein Kavaliersdelikt

trans-o-flex, das Ehrenamt und die Wirtschaftskrise

Seit Jahren werden beim Schnelllieferdienst trans-o-flex mit Sitz in Weinheim Betriebsräte drangsaliert. Das Management hält sich selbst, die Beschäftigtenvertretungen und die MitarbeiterInnen mit immer neuen Betriebsänderungen auf Trab, die - obwohl anders begründet - offensichtlich zum Ziel haben, Betriebsratsmitglieder los zu werden und Mitbestimmungsstrukturen zu zerschlagen. Das ist nicht einmal betriebswirtschaftlich effektiv. Denn Umorganisation bindet Zeit und Energie, die in einem heftig umkämpften Markt erheblich sinnvoller eingesetzt werden könnte.

trans-o-flex ist kein trauriger Einzelfall. Miese Arbeitbedingungen, Dumpinglöhne und mitbestimmungsfeindliche Unternehmenskulturen sind in der Branche weit verbreitet und werden geduldet. Denn Betriebsrats-Mobbing gilt hierzulande als gesellschaftsfähig. Eine ganze Riege von Rechtsanwälten hat sich darauf spezialisiert, die Zerschlagung von Beschäftigtenvertretungen juristisch wasserdicht zu machen. Mancherorts müssen Wahlen geradezu konspirativ vorbereitet werden, damit die Wahlvorstände und KandidatInnen nicht durch vorzeitige Enttarnung in die Schusslinie einer aggressiven Geschäftsleitung geraten, noch bevor der besondere Kündigungsschutz greift.

Betriebliche Mitbestimmung lebt vom Engagement der Beschäftigten. bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt stehen hoch im Kurs einer Politik, die hofft, mit Ehrenamtliche den Kahlschlag des Sozialstaats abpuffern zu können. Doch die größte Gruppe sind nicht die Kirchengemeindevorstände, ÜbungsleiterInnen im Sportverein oder die grünen Damen im Krankenhaus, die PolitikerInnen in ihren Sonntagsreden im Kopf haben. Es sind vielmehr zigtausende Betriebsratsmitglieder, die trotz des Grundsatzes 'Betriebsratsarbeit ist Arbeitszeit' einen Gutteil ihrer Freizeit in ihre verantwortungsvolle Aufgabe investieren. Die sich in betrieblichen Konflikten vor ihre Kolleginnen und Kollegen stellen und dabei bisweilen ihre eigene berufliche Existenz aufs Spiel setzen - siehe trans-o-flex.

Doch im Betrieb scheint Ehrenamt nicht gefragt. Hier wurden in der Vergangenheit jene "Macher" im Management hofiert, die - ihr eigenes Bankkonto fest im Blick - mit einsamen Entscheidungen und im Vertrauen auf das Funktionieren eines blinden, deregulierten Marktes die aktuelle Wirtschaftskrise mit verursacht haben. Ihre Ideologie ist auf ganzer Linie gescheitert. "Augen zu und durch" macht keine Zukunft. Jetzt werden die Ideen und das Engagement genau der Leute gebraucht, die die Herren Manager am liebsten los werden würden.

Doch zu befürchten ist, dass das Gegenteil passiert. Auch dafür ist trans-o-flex ein Beispiel. In wirtschaftlichen Schwierigkeiten fällt vielen Geschäftsleitungen nichts ein als phantasieloses Kostensenken. Wenn Betriebsräte das nicht mitmachen wollen, werden sie unter Druck gesetzt und zur Not auch persönlich schikaniert.

PolitikerInnen, die ihr Werben für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement ernst meinen, sollten verhindern, dass Betriebsräte für ihren Einsatz auch noch bestraft werden, und den wichtigsten Garanten für den sozialen Frieden stärkeren Rückhalt verschaffen.



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