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Daniel Düsentrieb reicht nicht
TBS: Innovations-Hemmnisse im Betrieb beseitigen
Innovationspolitik für Wachstum und Beschäftigung
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Innovation schafft Beschäftigung. Das ist fast eine Binsenweisheit.
Wirtschaft und Politik konzentrieren den Blick auf Erfindungen,
Patente und deren Verwertung. "Zu kurz gedacht", sagen Gewerkschaften
und TBS Hessen. Sie betrachten Innovation als sozialen Prozess und
mahnen ein innovatives Klima in den Unternehmen an.
"Zwar wird bei uns überall und jederzeit von Innovation geredet,
wirkliche Veränderungen finden aber eher selten statt", sagt Ulrich
Klotz, der sich beim Vorstand der IG Metall mit diesem Thema befasst.
Und in der 1998 veröffentlichten Studie "Beschäftigung durch Innovation"
im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
heißt es: "Die technologischen Stärken der deutschen Wirtschaft
konzentrieren sich in traditionellen Märkten, herkömmlichen Technologien
und im mittleren Technologiebereich. Innovationen werden zu wenig
genutzt für die Entwicklung neuer Produktlinien, neuer Geschäftsfelder
und neuer Märkte."
Auf die Frage nach dem Warum werden recht unterschiedliche Antworten
gegeben. Große Teile der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft setzen
darauf, Erfindungen und Vermarktung zusammenzubringen. Sie glauben
den Engpass im Transfer zwischen Wissenschaft und Unternehmen zu
erkennen. In diesem Weltbild entwickelt die Wissenschaft Innovationen,
Unternehmen bringen sie kostengünstig auf den Markt. Die Beschäftigten
kommen allenfalls als Kostenfaktor vor, ihre Interessenvertretungen
als Bremsklötze, die die Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit von
Unternehmen blockieren. Diese Philosophie liegt auch der Agenda
2010 zugrunde, die der Gewerkschafter Klotz für "eine mehr oder
weniger hilflose Reaktion auf der Symptomebene" hält. Die Symptome
Massenarbeitslosigkeit und Finanzierungskrise der sozialen Sicherungssysteme
sollen durch eine Reform des Arbeitsmarktes und Leistungskürzungen
bekämpft werden. Das senke die Kosten der Unternehmen und mache
sie wettbewerbsfähiger, so die Hoffnung. Doch dieser Weg führt in
die Sackgasse, dessen ist sich Klotz sicher. Einen Kostenwettbewerb
mit aufsteigenden Ländern müsse das rohstoffarme, exportorientierte
Hochlohnland Deutschland zwangsläufig verlieren. An der Ursache
- der Innovationsschwäche der deutschen Wirtschaft - ändere sich
hingegen nichts.
Der (verstorbene) Innovationsforscher Erich Staudt hatte einen
völlig anderen Ansatz. "Quelle jeglicher Innovation ist der Mensch",
definierte er und stellte fest: "In der Vernachlässigung dieser
Grundvoraussetzung liegt die wesentliche Ursache für die expandierende
Innovationsschwäche am Standort Deutschland." So gesehen ist Innovation
ein sozialer Prozess und nicht nur die zündende Idee eines Daniel
Düsentrieb. Innovation entsteht, wenn Ideen für neue Produkte und
Verfahren eingebettet werden in eine Unternehmenskultur, in der
Menschen sich für deren Realisierung einsetzen. Und daran hakt es.
"Während Bildung, Forschung, Technik und die finanziellen Rahmenbedingungen
zumindest thematisiert werden, bleibt das Innovationsgeschehen in
den Unternehmen weitestgehend außen vor", heißt es im Grundsatzpapier
des DGB über Innovation als sozialer Prozess. Deswegen wollen die
Gewerkschaften die Qualität der Arbeit stärker in den Mittelpunkt
der Innovationspolitik rücken.
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"Die entscheidenden Innovations-Hindernisse im Unternehmen werden seit
Jahren nicht angegangen", kritisiert der Leiter der TBS Hessen Berthold
Goergens und zählt die wichtigen Faktoren auf:
- In deutschen Unternehmen wird zu wenig qualifiziert, und wenn, dann
profitieren nur die hoch Qualifizierten.
- In die "Human Ressources" wird zu wenig investiert.
- Statt auf die Vielfalt kulturell, alters- und geschlechtergemischter
Teams zu setzen, beschränken sich die Kernmannschaften immer mehr
auf den männlichen Deutschen mittleren Alters.
- In den hierarchischen Strukturen der meisten Unternehmen stirbt
jede Kreativität.
- Arbeitsbedingungen sind eher demotivierend als motivierend.
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Ulrich Klotz geht noch einen Schritt weiter und bezieht die gesamte
Gesellschaft in die Innovation ein: "Wer an Bedürfnissen ansetzt
und gesellschaftlich akzeptierte Systemlösungen sucht, sichert langfristig
begehbare 'Innovationspfade' und schafft damit gleichzeitig kalkulierbare
Rahmenbedingungen für Forschungs- und Entwicklungsentscheidungen
von Unternehmen."
Doch davon ist keine Rede. Hessens DGB-Vorsitzender Stefan Körzell
attestiert der deutschen Wirtschaft eine weiter nachlassende Innovationsdynamik
und hängt seinem Bundesland die rote Laterne an: "Hessen sticht
in Bezug auf die Arbeitsmarktzahlen in Deutschland besonders negativ
heraus. Innerhalb von zwölf Monaten hat die Zahl der arbeitslosen
Jugendlichen, Schwerbehinderten und Frauen sowie die Anzahl der
Langzeitarbeitslosen überdurchschnittlich zugenommen." Um diese
Entwicklung umzudrehen, betont TBS-Leiter Goergens zwei Aspekte:
"Beschäftigte und ihre InteressenvertreterInnen müssen in Innovation
als sozialer Prozess einbezogen werden. Früherkennungssysteme müssen
entwickelt und verbessert, Anforderungen an die Unternehmen, Prozesse,
Märkte, Produkte und Dienstleistungen vorausschauend erkannt werden."
Ein Feld, auf dem TBS Hessen schon lange arbeitet (siehe unten).
Entwicklungsmöglichkeiten erkennt Goergens auch in regionalen und
sektoralen Vernetzungen und in Kooperationen, gemeinsamen Projekten
und Entwicklungspartnerschaften. Dabei sollten wissenschaftliche
Kompetenz integriert sowie Fördermittel, zum Beispiel Töpfe der
EU, des Bundes oder des Landes genutzt werden. "Neugier, Offenheit
und gute Zusammenarbeit nach innen und außen wie auch der Einsatz
adäquater Methoden sind dabei gefragt", so Goergens.
"Beschäftigung
und Innovation", nach diesem Leitbild unterstützt die TBS Hessen mit ihren Angeboten Betriebe dabei, sich im Innovationswettbewerb zu behaupten:
- Mit dem (bereits abgeschlossenen) Projekt "Ideen von uns für
die Arbeit von morgen", mit dem der Fachbereich Netzkommunikation,
Mobilfunk, Informationstechnologie der Gewerkschaft ver.di die
Beschäftigten in innovative Strategien zur Beschäftigungssicherung
einbezogen hat.
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