Wer Mitarbeiter beteiligt, nutzt brach liegende Ressourcen

 

Betriebe, die mit ihrem Betriebsrat kooperieren, sind innovativer, produktiver und ertragreicher

Bilanzierung Arbeitsgestaltung
Mehr Produktinnovation mit Betriebsrat
ZEW-Studie: Betriebsräte fördern Produktivität
Partizipation im Call-Center
SAP-Studie: Was brauchen die User?

Bilanzierung Arbeitsgestaltung

In einer Untersuchung im Rahmen des Projekts "Bilanzierung Arbeitsgestaltung" stellte das Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) vor zwei Jahren fest, dass die Wahrnehmungen der Führungskräfte und der MitarbeiterInnen auseinander klaffen - je größer das Unternehmen, desto weiter. Die Beschäftigten beurteilen Innovationen in der Arbeitsgestaltung deutlich skeptischer als die Unternehmen. Zum Beispiel sagten 70 Prozent der Unternehmer, in der Werkstatt seien auch vor- und nachgelagerte Arbeiten integriert. Jedoch nur 20 Prozent der Beschäftigten waren dieser Ansicht. Die Erklärung des Autors Dr. Carsten Dreher: Die Unternehmensleitung habe einige Konzepte aus den aktuellen Managementdiskussionen umgesetzt und sehe keinen Handlungsbedarf mehr. Gleichzeitig verlören die Beschäftigten die Motivation.

www.bilanzierung-arbeitsgestaltung.de

Mehr Produktinnovation mit Betriebsrat

Dass die im Betriebsverfassungsgesetz geforderte "vertrauensvolle Zusammenarbeit" zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat sich auch betriebswirtschaftlich auszahlt, hat Dr. Alexander Dilger empirisch nachgewiesen. Dilger, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Münster, beschreibt unterschiedliche Konsequenzen, je nachdem ob ein Betriebsrat kooperativ, "antagonistisch" oder gleichgültig agiert. Mehr Produktinnovation sei das Ergebnis, wenn der Betriebsrat über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus beteiligt werde. Hingegen leide der Ertrag, wenn der Betriebsrat nicht eingebunden werde. "Antagonistische" Betriebsräte verstärkten diese Tendenz.
Generell weisen nach Dilgers Recherchen Betriebe mit Betriebsräten eine geringere Personalfluktuation auf, errichteten höhere Einstellungshürden, böten dafür jedoch sicherere Arbeitsplätze und zahlten höhere Löhne bei gleichzeitig höherer Wertschöpfung pro Mitarbeiter.

Das Buch "Ökonomik betrieblicher Mitbestimmung: Die wirtschaftlichen Folgen von Betriebsräten" von Dr. Alexander Dilger ist erschienen im Rainer Hampp Verlag, München und Mering 2002.
Dilgers Studie zum Download: www.rsf.uni-greifswald.de/bwl/pdf/1999/05_1999.pdf

ZEW-Studie: Betriebsräte fördern Produktivität


Auch eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kommt zum Ergebnis, dass nur Unternehmen mit Betriebsräten bei der Einführung moderner Arbeitsformen ihre Produktivität steigern. "Mitarbeiter, die einen Einfluss auf die Betriebsabläufe haben, sind häufig motivierter und denken unternehmerischer", heißt es in einer Erklärung zur Studie. Betriebsräte könnten dazu beitragen, vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen zwischen Management und Belegschaft aufzubauen.

www.zew.de/de/topthemen/meldung_show.php?LFDNR=99&KATEGORIE=2

Partizipation im Call-Center

Wie solche Arbeitsbeziehungen aufgebaut werden können, hat die TBS Hessen mit zwei Kooperationspartnern am Beispiel von Partizipation im Call-Center entwickelt. Denn Beteiligung der MitarbeiterInnen muss nicht nur gewollt sein. Management und Beschäftigte müssen dazu auch in die Lage versetzt werden. "In jedem Betrieb müssen die ökonomischen Rahmenbedingungen, die innerbetrieblichen Ressourcen und die vorhandenen Qualifikationen geklärt werden", erläutert TBS-Beraterin Anita Liebholz.

Links zum Projekt
www.ccall.de
www.ergo-online.de (Pfad: Navigation, A-Z, Partizipation)

SAP-Studie: Was brauchen die User?

Auch der Erfolg oder Misserfolg einer SAP-Einführung hängt von den betroffenen Beschäftigten ab. In einer Studie der FH Konstanz und der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young mahnen die Autoren: "Grundsätzlich sollten die Unternehmen in jeder Phase noch mehr Augenmerk auf die betroffenen Mitarbeiter bzw. User legen (Schulungen, Informationen über neue Prozesse und neue Rollen, etc.) da auf der Mitarbeiter- bzw. User-Ebene die größten Abstriche beim Nutzen gemacht werden müssen."
Das liegt nicht unbedingt an den Kosten. Über zu wenig SAP-Schulung klagt auch der Betriebsrat eines Autozulieferers aus der Rhein-Main-Region, der mitten in der Krise zweistellige Zuwächse einfährt. Da liegt die Vermutung nahe, dass das Management eine entscheidende Frage schlicht unterschätzt: Was benötigen die MitarbeiterInnen, um möglichst gut und erfolgreich arbeiten zu können?
(Eine Kurzfassung der Studie und einen Artikel dazu zum Download) http://www-home.fh-konstanz.de/~rmartin/artikel/ Kurzfassung - Pdf-Datei 1,8 MByte
http://www-home.fh-konstanz.de/~rmartin/artikel/ Artikel - PDF-Datei 124 KByte

Wenn es darum geht, die Anforderungen der Beschäftigten an eine befriedigende und qualifizierte Arbeit zu berücksichtigen, spielen Betriebsräte eine entscheidende Rolle, sagt der Leiter der TBS Hessen Berthold Goergens. "Anders als das Management kennen sie die Probleme am Arbeitsplatz und die Sichtweisen der Beschäftigten. Nur wenn das Unternehmen diese Sicht einbezieht, kann es sich im Wettbewerb auf Dauer behaupten."

 

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