"Ohne großen Aufschrei"

Im Lahn-Dill-Kreis ist die SAP-Einführung fast abgeschlossen

"Ein großes Kompliment für den Einsatz" macht Personalrat Matthias Orth den Beschäftigten der Kreisverwaltung des Lahn-Dill-Kreises. "Ohne großen Aufschrei" und mit viel persönlichem Einsatz hätten sie die SAP-Einführung in den vergangenen drei Jahren gemeistert. Lahn-Dill gehörte zu den SAP-Pilotkreisen in Hessen.Im Jahr 2001 startete der Landrat per Mausklick die Module FI, CO und MM (Materialmanagement). Ein Jahr später folgte HR, alles natürlich "personalkostenneutral". Deswegen blieb viel Arbeit liegen, so dass es heute noch einen "Rückstau" und Überstunden gibt, der auf SAP zurückzuführen sind. Auch die Zeiterfassung bereitete anfangs erhebliche Umstellungsprobleme. Zur Zuordnung der Arbeitszeit auf die Produkte ist man noch gar nicht vorgedrungen.

Deswegen plädiert der Personalrat dafür, mit der Einführung des Organisationsmanagements im Modul HR noch zu warten. Zur Einführung von HR schloss der Personalrat unterstützt von TBS-Beraterin Margrit Kölbach eine Dienstvereinbarung ab, die neben dem Verbot von Verhaltens- und Leistungskontrolle, einem Berechtigungskonzept und dem Anspruch auf Schulung auch eine Sondervereinbarung für ältere MitarbeiterInnen enthält: Sie werden entweder besonders intensiv geschult oder haben die Möglichkeit, auf einen gleichwertigen "SAP-freien" Arbeitsplatz zu wechseln. Davon habe aber noch niemand Gebrauch gemacht, weiß Orth. "Die Dienstvereinbarung wirklich zu kontrollieren ist allerdings fast unmöglich", gibt er zu. Dafür wäre ein "SAP-Mann" im Personalrat notwendig. Viel laufe mit gegenseitigem Vertrauen.

Deutlich wird jetzt auch, dass die Formel "Neuer Computer gleich weniger Personal" nicht funktioniert. Pflege und Wartung, das Einspielen neuer Releases und hausinterne Veränderungen binden jede Menge Kapazitäten. Auch die Umsetzung des neuen Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst habe für erhebliche Probleme gesorgt. Bis die einzelnen Bestimmungen im Modul HR nachzuvollziehen waren, habe es "intensiver Verhandlungen" zwischen dem Lahn-Dill-Kreis und der beauftragten Softwarefirma bedurft, berichtet Matthias Orth. Für "voll daneben" hält der Personalrat daher den Versuch, SAP zum Personalabbau zu nutzen.

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