"Wir müssen am Ball bleiben"

Der Arbeitskreis südhessischer Personalräte hat aus der Not eine Tugend gemacht, einen gemeinsamen SAP-Workshop mit der TBS Hessen organisiert und diskutiert jetzt über eine engere Kooperation.

In den Hauptabteilungen Regionalentwicklung, Kataster- und Flurneuordnung (RKF) und beim Hessischen Landesvermessungsamt ist die SAP-Einführung am weitesten gediehen. Die meisten Module laufen bereits. Das Umsetzungsprojekt fürs Personalmanagement (HR) startet am 1. Dezember und soll in 2004 produktiv gehen. Eigentlich ist Walter Voigt recht zufrieden damit, wie die Beschäftigtenvertretungen einbezogen sind. Der Vorsitzende des Bezirkspersonalrats RKF lobt, dass im Umsetzungsprojekt auch zwei Personalvertreter mitarbeiten. Für Stress habe allerdings eine Besonderheit in der Hauptverwaltung RKF gesorgt. Alle Module laufen dezentral. Das ziehe riesigen Schulungsaufwand nach sich und belaste die Beschäftigten dreifach: mit der normalen Arbeit, den Schulungen und der Migration der Daten. "Etliche Kolleginnen und Kollegen sind am Stock gegangen", erinnert sich Voigt. Urlaube seien verschoben worden, Arbeiten zwischen den Schreibtischen hin und her gewandert. Zwar habe sich die Situation mittlerweile beruhigt. Doch winkt den Beschäftigten wenig mehr als Gottes Lohn. Den Prämientopf für "besondere Leistungen bei der SAP-Einführung" bezeichnet Voigt als "nicht nennenswert".
Probleme bereite nach wie vor die Zeit- und Mengenerfassung CATS - das Cross Application Time Sheet -, mit dem die Arbeitszeiten den Produkten zugeordnet werden sollen. Die Personalvertretungen fühlen sich von Accenture über den Tisch gezogen. Die Beratungsfirma, die die SAP-Einführung in Hessen begleitet, habe die Anonymisierung der Daten zugesichert, dennoch lassen sich in kleinen Dienststellen ohne Probleme Rückschlüsse auf Personen ziehen.


Voigts Kollegin Simone Jochem vom Personalrat des Katasteramts in Groß Gerau hatte bei CATS ein Aha-Erlebnis. Das Gremium fühlte sich von der Dienststellenleitung übergangen, weil diese die "Vertrauensperson" für die Daten der Zeit- und Mengenerfassung nicht abgestimmt hatte. - Eine der wenigen Möglichkeiten für örtliche Personalräte, Einfluss zu nehmen. Die Zwickmühle erklärt Reiner Hamburger, der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats im Landkreis Darmstadt-Dieburg: "Die Umsetzung von SAP läuft unten. Wenn die Personalräte keine Ahnung haben, können sie nicht nachvollziehen, was passiert.". Zwar bekämen sie im Dutzend Aktenordner auf den Tisch gestellt. "Aber mit 20 Ordnern zu informieren ist so gut wie gar nicht zu informieren." Um sich einen Überblick zu verschaffen, organisierte der südhessische Personalräte-Arbeitskreis einen gemeinsamen SAP-Workshop. Den Zuschlag sollte nicht Accenture erhalten, sondern die TBS Hessen. "Accenture vertritt die Arbeitgeberposition. Wir wollten eine unabhängige Schulung", begründet Simone Jochem.

Was kann SAP? Was kann das Landesreferenzmodell? Wie wirkt sich die Einführung auf die Beschäftigten aus? Welche Möglichkeiten haben Personalräte, Einfluss zu nehmen? Auf diese und andere Fragen gab es im Workshop Antworten. "Jetzt kommt es darauf an, dass wir am Ball bleiben", sagt Personalrätin Jochem. Fehlende Fachkompetenz wollen die Personalräte mit enger Kooperation kompensieren. Einige könnten sich auf SAP spezialisieren und ihr Know-how den anderen zur Verfügung stellen.

Die TBS plant bereits weitere Workshops. Die aktuellen Angebote werden im Bildungsprogramm angekündigt. Siehe hier

 

 

 

 


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